MPB.b80.C-
2016, 00:21 Min. / 00:17 Min.,Video HD 16:9, Loop, ohne Ton
2 teilig für Doppelprojektion

Die Geste der Erschöpfung als mediale ‚Fehlleistung‘ der Bilder kann also erst aus der Rezeptionsperspektive ganz erfasst werden, wobei Lux’ Festlegung der räumlichen Parameter für die Installation der medialen Arbeiten immer mitgedacht werden muss. Besonders deutlich wird dies etwa bei MPB.b80.C-_ (2013), einer Doppelprojektion, die sich über eine Raumecke erstreckt. Beide Videos zeigen eine in Realgröße reproduzierte, voll beladene Euro-Palette, bei der es sich jedoch – wie auch bei Seagull – tatsächlich um eine Fotografie handelt, die der Künstler in der Hand hielt und deren manuelle Vorwärts- und Rückwärtsbewegung er abfilmte. In der Nachbearbeitung wurden die Bewegungen isoliert und letztendlich so montiert, eines der Videos ausschließlich die Vorwärtsbewegungen zeigt, während in dem anderen nur die Rückwärtsbewegungen zu sehen sind. Die Bewegung der Palette wird jedoch als horizontale wahrgenommen, sodass die gezeigten Objekte in scheinbarer Endlosschleife von einer Projektionsfläche zur anderen wandern, um schließlich wieder zum Anfang zurückzukehren. In der Wahrnehmung erscheinen die Bewegungen der gezeigten Objekte gleich einer Bildstörung als ruckartig. Auch hier erschließt sich die mediale ‚Fehlleistung‘ aus der Durchkreuzung unterschiedlicher Bewegungsmodi, wenn auch auf andere Weise als bei Seagull. Zunächst wird die physische Bewegung der Hand des Künstlers zur Bewegung der filmischen Bilder. Mittels der Montage wird jedoch keine ‚unbewusste‘ Bewegung des Dargestellten imaginiert, wie dies im Flügelschlag der Möwe zum Ausdruck kam, stattdessen werden statische Objekte so belebt, dass darin deren repräsentativer Charakter verdeutlicht wird. In ihren Bewegungen gleichen die Bilder der Paletten – knapp über dem Boden projiziert – ihren realen Gegenstücken, die auf Gabelstaplern, Zügen und Lkws transportiert werden und als Bildikonografie dem globalen Wirtschaftsmarkt und dessen mobilen Warenströmen angehören. Die spezifische Dynamik der kontrastierenden Bewegungen von Künstlerhand und Montage erschließt sich jedoch erst in der räumlichen Installation, wo diese als kontinuierlicher, jedoch dissonanter Bewegungsrythmus wahrgenommen wird.

The gesture of tiredness as a media ‘mistake’ in the images can only be comprehended in its entirety from the perspective of reception and here Lux’s fixing of the spatial parameters of the installation of the media works should always be kept in mind. This is particularly clear in the case of MPB.b80.C-_ (2013), a double projection that stretches across a corner of the room. Both videos show a full-size, fully-loaded Euro pallet. However, as in Seagull, the images are photographs which the artist hold in his hand while manually carrying out the forwards and backwards movements that he filmed. The movements are isolated and edited in post-production in such a way that one of the videos shows only a forward movement while in the other we only see the opposite. Nevertheless, the movement of the pallet is perceived as horizontal, the screened objects appear to move from one projection surface to the other only to return to the beginning again––an endless loop. The movements of the objects in the image are perceived as jerky, approximating that of picture interference. Here too, the media ‘mistake’ derives from the intersection of different movement modi though in a way that is different to Seagull. In the first place the physical movement of the artist’s hand becomes the motion of the filmic images. Here, however, editing does not elicit the imagined ‘unconscious’ movement of what is depicted (as is expressed in the wing beats of the seagull). Instead, static objects become animated in such a way that their representational character is made clearer. The movement of the pictures of the pallets––those visual icons of global trade and the mobility of its stream of goods––is projected just off the floor and approximates their real counterparts as they are transported on forklift trucks, trains and lorries. The specific dynamism of the contrasting movements of the artist’s hand and editing techniques only becomes evident in the spatial installation where it can be apprehended as continuous, if dissonant, rhythmic motion.

Zitat:
Mediale Gesten der Erschöpfung. Zu drei Videoarbeiten von Stefan Lux
„Vielleicht ist die Erschöpfung das erste und letzte Verhalten.“
(Gilles Deleuze)
Bettina Brunner, 2013

Media-Mediated Gestures of Tiredness. Three Video Works by Stefan Lux
Bettina Brunner
Perhaps tiredness is the first and last attitude.[1]
–Gilles Deleuze



050600a
2013, 02:05:16 Min.,Video HD 16:9, ohne Ton



Das mit Elefanten bedruckte Papier wurde von mir mit einer Hand abgefilmt. Die andere Hand benutzte ich währenddessen zum Trinken und Rauchen von Zigaretten.
Entsprechend schwankend ist das Filmbild. Diese Situation wiederholte ich bei der Projektion, nun den Beamer vertikal schulternd und gleichzeitig trinkend und rauchend.
Die Schwankungen des Films und die Schwankungen der Projektion vermischen sich, ebenso wie der abgefilmte und der bei der Projektion produzierte Rauch sich 
überlagern. In gelegentlichen Pausen stellte ich den Beamer horizontal auf einem Tischchen ab. Die Projektion fällt hierbei horizontal und willkürlich auf verschiedene 
Positionen im Raum und der Umgebung Schneiderei Wien

 
“eins zwei drei vier”, vier Abende, Teil 1
Schneiderei, Wien, 2013, Ausstellungsansicht